Ein neues Video enthüllt Chinas Repression in Tibet: „Im alten Tibet waren wir glücklicher!"
In einem neuen, am Freitag veröffentlichten Video *, in dem Tibeter in Tibet interviewt werden, beteuern diese, daß es im alten Tibet vor der Besetzung ihres Landes durch China weit mehr Freiheit und Glück gab. Sie lasten China an, daß es in den letzten 50 Jahren seiner Herrschaft über Tibet unsägliches Leid über das Volk gebracht habe, wie man es seit Menschengedenken noch nie gesehen hätte.
Trotz der ungeheuren Gefahr für Leib und Leben angesichts des scharfen Vorgehens der chinesischen Regierung gegen die Tibeter, seit es 2008 zu den friedlichen Protestaktionen kam, sprachen couragierte Tibeter offen über die chinesische Politik der Repression und Diskriminierung im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereich.
Der 38jährige tibetische Mönch Rinchen Sangpo aus Golog führte nach den Ereignissen von 2008 einige Interviews mit zumeist älteren Tibetern. Sie sprechen offen und furchtlos über die repressive und das tibetische Volk diskriminierende Politik der chinesischen Regierung seit 1958, als China Tibet gänzlich an sich riß.
Eine zur Veröffentlichung zubereitete Version des Videos wurde am 26. September bei einer Pressekonferenz vom Department für Information und Internationale Beziehungen (DIIR) der Tibetischen Regierung-im-Exil vorgestellt.
Rinchen Sangpo, ein Mönch des Klosters Tongkyab in der Tibetisch-Autonomen-Präfektur (TAP) Golog in Amdo (chin. Qinghai), der im Mittelpunkt der Pressekonferenz stand, sagte, er habe im Oktober 2008 eine größere Zahl von Tibetern quer durch alle Gesellschaftsschichten in den Bezirken Machen (chin. Maqin) und Gade (chin. Gande) in Golog interviewt.
Rinchen verbrachte sein ganzes Leben in Tibet, ehe er letztes Jahr ins Exil nach Indien floh. Es habe ihn, so sagt er, seine Überzeugung, daß er die Welt draußen darüber aufklären müsse, wie die Realität in Tibet wirklich aussähe, motiviert, dieses Video aufzunehmen, „nachdem er so viele Jahrzehnte der Repression, der wirtschaftlichen Marginalisierung und ökologischen Vernachlässigung des tibetischen Landesteils unter der chinesischen Besetzung erlebt habe und bezeugen könne". Er entschloß sich daher, die Meinungen von jeweils 15 Tibetern zu drei Themenkreisen zu erfragen: „Wie war es in der alten Zeit in Tibet?", „Was hatten Sie unter der derzeitigen chinesischen Regierung durchzumachen?" und „Was geschah 1959 tatsächlich?"
Die Interviewten im Alter von 57 bis 87 Jahren erklären einmütig,
daß das Volk der Tibeter vor der chinesischen Invasion vergleichsweise
mehr Freiheit genoß und ein besseres Leben führte. Ihre Situation habe
sich unter der chinesischen Herrschaft dramatisch verschlechtert. Sie
klagten, daß die chinesische Regierung im Namen wirtschaftlicher
Entwicklung eine systematische Zerstörung der einzigartigen Kultur,
Sprache, Religion und natürlichen Ressourcen Tibets betreibe.
Die
befragten Personen erzählen in dem Interview von unsäglichen Leiden,
davon, wie Hunderte und Tausende, darunter auch ihre Angehörigen,
während der chinesischen Invasion entweder verschwanden oder umgebracht
wurden. Als die Unterdrückung durch China über die Jahre hinweg immer
heftiger wurde, starben Tausende durch Folter, verhungerten oder wurden
durch die extrem schwer zu ertragende Situation in den Tod getrieben.
Die
Interviewten sprechen sich gegen die chinesische Propaganda zu Tibet
aus, besonders gegen die Kampagne zur Diffamierung Seiner Heiligkeit
des Dalai Lama.
Sie drücken dabei offen ihre Hoffnung auf seine
Rückkehr nach Tibet und eine Wiedervereinigung mit ihren Landsleuten im
Exil aus.
In seiner Presseerklärung sagt das DIIR, das Video
liefere „frische Zeugnisse von in Golog in der Provinz Amdo lebenden
Tibetern, die im Detail schildern, wie die Repression Chinas in den
letzten fünf Jahrzehnten einen jeden Aspekt der tibetischen Identität
erfaßte".
Rinchen gelangte mit seinem Videomaterial Ende Dezember
2008 nach Indien. Er sah sich gezwungen, Tibet zu verlassen, noch ehe
er sein Werk vollendet hatte.
Die chinesische Regierung war seiner
heimlichen Tätigkeit auf die Spur gekommen und hatte einen Haftbefehl
gegen ihn erlassen. Sein Film, so sagte er, sei das Ergebnis „und sei
es auch noch so klein, der Arbeit, die er in Tibet vollbringen konnte".
„Das
höchste Ziel der Tibeter in Tibet, und worauf sie am meisten hoffen,
ist, daß sie wieder mit ihren Landsleuten im Exil vereint werden,
sehnsüchtig erwarten sie den Tag, an dem Seine Heiligkeit der Dalai
Lame nach Tibet zurückkehren wird", sagte Rinchen in seinem lokalen
Golog-Dialekt.
„Die Tibeter in Tibet glauben der chinesischen
Propaganda nicht, daß Seine Heiligkeit der Dalai Lama und die Tibeter
im Exil Separatisten sind. Sie wissen, daß die chinesischen Kommunisten
die eigentlichen Spalter sind, die das tibetische Volk entzweien",
äußerte Rinchen bei der Pressekonferenz.
„In Tibet beten die
Menschen jeden Tag inbrünstig darum, daß sie Seine Heiligkeit den Dalai
Lama sehen und seine Stimme wieder hören werden", fuhr Rinchen fort.
Im
März letzten Jahres seien die Tibeter auf die Straße gegangen mit „der
offenen Absicht, gegen die falsche Politik der chinesischen Regierung
zu opponieren". „Als die chinesischen Behörden ihre Kampagne lostraten,
wo sie Seine Heiligkeit den Dalai Lama für die Mißstände verantwortlich
machten, konnten die Tibeter es nicht mehr länger aushalten. Daher
erhoben sie sich in allen drei traditionellen Provinzen aus eigenem
Antrieb und einstimmig gegen die chinesische Regierung", fügte Rinchen
hinzu.
Rinchen Sangpo wurde in dem Dorf Akyong in Golog, Amdo,
geboren. 1965 kam er auf die Dorfschule. Mit 14 Jahren wurde er Mönch
im Kloster Tongkyab, wo er bis
2008 lebte. Zudem machte er sich
durch die Gründung von zwei Grundschulen in der Provinz Amdo verdient.
Eine davon hätten die Behörden vor zwei Jahren geschlossen.
Thupten
Samphel, der Pressesprecher des DIIR, würdigte Rinchen für seinen
selbstlosen Einsatz. Indem er die Interviews führte und sie aus Tibet
herausschmuggelte, hat Rinchen alles geopfert, was er hatte, und sogar
sein eigenes Leben hat er um der Sache Tibets willen aufs Spiel gesetzt.